Pixeldiskurs-Podcast #162 – Kotaku und die redaktionelle Unabhängigkeit

In der vergangenen Woche entfaltete sich eine nicht ganz einfach zu durchschauende Situation um das Online-Magazin Kotaku. Während einige schon das Ende der Seite wahlweise zelebrieren oder betrauern, scheint die Lage durchaus unklar. Wir arbeiten die Ereignisse auf und diskutieren den Zusammenhang zwischen Spielejournalismus und politischen Diskursen.

Außerdem geht es um Man of Medan, schwarzen Humor und unsere Zukunft bei Springer.

Download


Inhalt:

00:00:00 – 00:23:16 Spielewoche
00:23:16 – 00:50:00 Presseschau
00:50:00 – 01:30:00 Thema der Woche

Shownotes:




avatar

Über Tobias Klös

Tobias Klös (tk), M.A. Erziehungs- und Bildungswissenschaft, ist seit 2016 Co-Host des Pixeldiskurs-Podcasts. Im Bereich der Game Studies interessiert er sich für Game-Based-Learning, Gamification, Kulturindustrie. Ausserdem spielt er leidenschaftlich Dance-Dance-Revolution.

avatar

Über Stefan Heinrich Simond

Stefan Heinrich Simond (shs) publiziert und unterrichtet im Bereich der Game Studies am Institut für Medienwissenschaft der Philipps-Universität Marburg. Er promoviert zur Konstruktion psychischer Krankheiten und psychiatrischer Institutionen in digitalen Spielen, ist Chefredakteur bei pixeldiskurs.de und hostet den wöchentlichen Pixeldiskurs-Podcasts.

avatar

Über Natascha Balduf

Natascha Balduf (nb) hat an der Justus-Liebig-Universität Gießen im Master Literatur-, Kultur- und Medienwissenschaft studiert und promoviert gegenwärtig am Institut für Medienwissenschaft der Philipps-Universität Marburg zur Darstellung geschlechtlicher Körper in digitalen Spielen.

2 comments

  1. Firmen wie Blizzard sind doch schon lange innerlich tot. Es zählt nur noch der Geld-Kompass, eine eigene Haltung etc ist auch nicht zu erkennen. Sie reden dem zahlenden Kunden nach dem Mund und die „Entschuldigungs-Rede“ wurde garantiert von der Marketing-Abteilung vorgegeben.
    Bei den neuen angekündigten Spielen ist auch keine „Seele“ zu erkennen, geschweige denn Kreativität. Der negative Höhepunkt war der lieblose zusammen gepappte Auto-Chess/Auto-Battler für Hearth Stone.
    Bei einer Öffentlichkeit ist das ganze auch schon längst abgefärbt. Es geht nur noch um Börsen-Talk. Wer hat die meisten Spieler und wer macht das meiste Geld. Riot, Blizzard oder doch Epic?
    Um die Spiele geht es dabei nur noch als „Wegwerf“-Konsumgut. Eine traurige Entwicklung, die zusätzlich von den großen Spielemagazinen wie IGN oder Gamestar befeuert wird.
    Liegt aber wohl an unserer „neoliberalen“ Zeit, in der wir leben.

  2. Danke für die Besprechung des Artikel auf Language at Play! 🙂
    Ich würde im Anschluss gerne noch einen Kommentar zu Tobis Einordnung hinterlassen:
    Die beschriebenen Dinge werden als Mittel benutzt, um Rufus‘ schlimmen Charakter zu zeigen, wie du ganz richtig anmerkst. Hätte man wirklich aber Rufus kritisieren wollen, dann hätte man die Gags aber durchaus zu seinen Ungunsten machen können, nicht zu denen seiner Opfer. In der akuten Situation steht schließlich immer noch er als Gewinner dar. Was im Artikel nicht erwähnt wird, aber auch von Tobi nicht angefügt wurde ist, dass Rufus die Situation, in der sich June „freiwillig“ entscheidet, sich als Äffchen zu verdingen, bewusst herbeiführt, um einen Deal mit dem Drehorgelspieler einzugehen. Er ist dafür verantwortlich, dass Junes Haus versinkt, und überredet sie dann zum Ausgang der Situation. Rufus streicht sozusagen die „Provision“ für die „Vermittlung“ der Arbeiterin ein, die keine andere Möglichkeit hat, ihr Leben zurückzubekommen, als genau diese eine Position anzutreten (um nun mal einen Haufen sehr kapitalistisch aufgeladener Worte zu benutzen, anhand derer man vermutlich noch eine ganz andere Ebene der Diskussion eröffnen könnte). Die in die Sklaverei verkaufte June steht hier im Spotlight des Gelächters, während Rufus den Lohn einstreicht – da hilft die sehr seichte Kommentierung meiner Auffassung nach nicht weiter, denn dass die Situation erniedrigend ist, wird als Rezipient*in auch ohne Junes Kommentar sehr deutlich, er fügt dem nichts Wesentliches hinzu. Ähnliches könnte man über diverse andere Situationen in den Deponia-Spielen sagen: Es wird durchaus irgendwann einmal erwähnt, wie absurd es ist, dass die Damsel in Distress „Goal“ heißt, aber über alle vier Spiele hinweg wird sie eben doch gegen ihren Willen in knappe Kleidung gesteckt, KO geschlagen und entführt und in drei jeweils doch sehr misogyne Teilaspekte ihrer Persönlichkeit gespalten, um als Ziel für Rufus‘ Unternehmungen zu dienen. Hier von einer reflektierten Kommentierung zu sprechen, halte ich für sehr schwer machbar. Aus dieser Perspektive heraus halte ich auch Pokis Reaktion aus die Kritik an Goodbye Deponia für eine nachgeschobene Abwehrhaltung, da sie unter den auch im Artikel von John Walker genutzten Gesichtspunkten des punching up/down und der normativen Gewalt keinen wirklichen Sinn ergibt. Es wirkt hier recht offensichtlich auf mich, dass hier das Witzemachen im Vordergrund stand und die Gedanken, ob es daran ein Problem geben könnte, erst nachgeschoben wurden, als die Rezeption eintraf – ein oft gesehenes Problem der letzten Jahre, das oft mit homogenen, nichtdiversen Entwicklerteams oder der „Auteur-Vision“ eines einzelnen, weißen, männlichen Directors in Verbindung gebracht werden.
    Um es herunter zu brechen: Gelacht wird in diesen Situationen über das Opfer und darüber, wie clever bzw. absurd Rufus sich seine Ziele erfüllt – letzteres sicher auch ein typisches, nicht inhärent problematisches Merkmal vieler Point & Clicks – nicht jedoch über Rufus an sich. Dass dieser am Ende des Spiels eine vermeintliche Quittung erhält, indem er stirbt (was sich im vierten Teil der Reihe ja dann auch schon wieder relativiert), macht die einzelnen, konkreten Situationen nicht wett, da diese als Mittel zum Zweck alle nicht näher beleuchtet werden. Das ist in meinen Augen das eigentliche Problem: nicht, einen rassistischen oder sexistischen Charakter zu zeichnen (das klappt in vielen Medien sehr gut und pointiert), sondern den Rassismus auf Kosten der Marginalisierten als einen von vielen “Wegwerf-Gags“ zu instrumentalisieren und dabei den Täter zu belohnen, um so ein undefiniertes Gefühl von dessen Charakterschwäche zu erzeugen. Ich halte die gesellschaftliche Problematik auch zur Zeit der Veröffentlichung von Deponia 3 für viel zu aktuell und schwierig, um den Stereotypen, wie er hier genutzt wird, quasi-unkommentiert als Werkzeug zu nutzen, um Rufus als bösen Menschen dastehen zu lassen.
    Nichtsdestotrotz kann Deponia von Rezipient*innen natürlich als Anti-rassistisch, -sexistisch etc wahrgenommen werden, da Rufus eindeutig der Bad Guy dieser Welt ist und zumindest am Ende irgendwie seine Quittung bekommt. Ich finde nur, dass diese Perspektive zumindest einem Close Reading (um mal einen Begriff zu nutzen, den ich von Stefan gelernt habe 🙂 ) nicht standhält.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.