Gespielte Gesellschaft: Das Große Spiel in Dragon Age: Inquisition

Bald ist es wieder so weit. Kaiserin Celene veranstaltet ein Fest im Winterpalast, ein prunkvolles Schloss erbaut in der einstigen Heimatstadt vieler Elfen – Halamshiral. Kaum verbreitet sich diese Ankündigung in Orlais, dem Land der Adelsfamilien, werden auffallende Kostüme genäht und verzierte Masken gefertigt. Adelsfrauen und -männer bereiten sich auf ein zukunftsträchtiges Gesellschaftsereignis vor, während hinter den Kulissen die Barden ihre Dolche schärfen. Denn Kaiserin Celene hat mit ihrer Ankündigung eine weitere Runde eingeläutet: Das Große Spiel geht weiter.

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39 – WDR HörSpiel: Von interaktiven Geschichtserzählungen, Leerstellen und einem Hörspiel-Spiel

Wenn ich mich im privaten Kreis über Hörbücher und Hörspiele (1) unterhalte, tragen Skeptiker oftmals neben Fragen über verfügbare Auswahl und Qualität dieselben Kritikpunkte vor. Sie würden lieber selber lesen, ein Buch in der Hand halten und ohnehin sei ihnen das ganze viel zu passiv. Ich muss gestehen, ich bin seit frühester Kindheit ein Fan vom Lesen mit den Ohren. Lauschte ich früher noch den Drei ??? auf Kassette, bin ich heute Stammkunde einer Hörbuchplattform. Auch wenn der von Skeptikern öfters aufgeführte Punkt der zur Verfügung stehenden Auswahl schnell faktisch widerlegt werden kann (2) und der kritische Blick auf die Qualität und eine immersive Erfahrung meiner Meinung nach mit einer Hörprobe von ES durch David Natans Lesung schnell korrigiert wird (3), bleibt die Kritik an der passiven Rezeption.

Für genau solche Skeptiker gibt es nun vom WDR und Dear Reality ein Hörspiel-Spiel, um die auditive Erfahrung durch eine visuelle Präsentation zu ergänzen und mit einer aktiven Involvierung zu komplementieren. 39 – HörSpiel heißt das für Smartphones verfügbare Spiel, das einen Thriller als interaktive Erzählung darstellt. Darin geht es um Richard Hannay, der mit einer Kugel im Kopf aus dem Koma erwacht und versucht herauszufinden was passiert ist. Eine Verschwörung oder doch eher Paranoia?

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Pixeldiskurs auf dem Global Game Jam an der Uni Bayreuth

Global Game Jam 2015 in Bayreuth

Vom 23. bis 25 Januar 2015 fand der Global Game Jam weltweit an unterschiedlichen Orten statt, unter anderem auch an der Uni Bayreuth. Dabei handelt es sich um eine Veranstaltung, bei der Video- und Brettspiele innerhalb von 48 Stunden zu einem vorgegebenen Thema, Slogan oder Sprichwort (in diesem Jahr „What do we do now“) erstellt werden.

Kevin und ich waren für Pixeldiskurs und CampusTV Marburg vor Ort, um uns die ganze Sache etwas genauer zu betrachten, ein paar Stimmungen einzufangen und um mit dem Organisator Cyrus Mobasheri zu sprechen.

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Life is Strange: Die Ohnmacht der Jugend

Kopfhörer aufsetzen, die Welt mit der Akustik-Gitarre bremsen und dann den Schulflur entlang. Die egozentrischen Kids, die Sportler und Schönlinge, die Geeks und all die Unscheinbaren. Life is Strange versetzt mich in eine Zeit zurück, in der man noch zu träumen wagte. Von einem Glück, das irgendwann danach kommen mag. Von einer Erfüllung, die, wenn das Alles erstmal vorbei und man endlich frei ist, dann bitte auch eintritt. Von einem Versprechen trügerischer Ideale.

„Du hast mit 12 zu Stand by me geweint
und mit 14 bei den Outsidern Rache geschworen;
mit 16 kanntest du den Namen vom Feind
und mit 18 hast du ihn wieder verloren.“

Muff Potter – Young Until I Die (Heute wird gewonnen, bitte; 2009)

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Der digitale Flaneur im dritten Pixelreich


Vor nicht allzu langer Zeit versuchten Kevin und Stefan in einer pazifistischen Runde Battlefield herauszufinden, was passiert, wenn man gegen die Regeln eines Genres spielt. Das Ergebnis brachte vor allem eine halbe Stunde Spaß, sowie die Ernüchterung, dass die Narration an bestimmten Stellen nicht mehr mit sich spielen lassen möchte – und darauf besteht, dass sich der Spieler wieder der ludischen Programmatik zuwendet und seinen Tribut in Form von Kills entrichtet.

Dieser eher ungewöhnlichen Herangehensweise an ein Spiel möchte ich mit dem folgenden Beitrag einen weiteren Aspekt hinzufügen: Eine Art „virtuellen Spaziergänger“, der sich dem narrativen und ludischen Spielziel verweigert und kleine Besichtigungstouren durch die sich ihm dargebotene Diegese macht, um besondere Plätze oder Dinge zu entdecken, an denen der gänzlich involvierte Spieler sonst achtlos vorbeirennen würde.

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A Golden Wake: B.I.T.S. & Bytes

Wolltet ihr auch schon immer mal ein Geschäftsmann sein, Immobilen verkaufen und schicke 30er-Jahre-Anzüge tragen? Im retrostilistischen Point-and-Click-Adventure A Golden Wake von Wadjet Eye Games könnt ihr genau das! Um ein erfolgreicher Geschäftsmann zu sein, gibt es eine einfache Faustregel: B.I.T.S.

BITS

Bleibt das Adventure seiner Philosophie treu und verkauft sich so gut wie der Protagonist Alfie Banks selbst?

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South Park unterm Hakenkreuz

Ein Vergleich der Zensur des Fernsehens und Computerspiels

„Dressing like Hitler in school isn’t cool!” (South Park USA 1997–, Comedy Central, S01E07, TC: 00:07:20) belehrt ein „educational film“ (ebd.) die Figur Eric Cartman, welcher kurz darauf von seiner Schuldirektorin versehentlich als Ku-Klux-Klan-Gespenst eingekleidet wird. In South Park werden „Lehren (…) nicht gezogen – und wenn, dann nur ironisch, um das Ziehen von Lehren selbst lächerlich zu machen“ (Ruchatz 2012, 89). South Park ist eben eine satirische Attacke auf Religion, Politik und alle andern moralischen Ordnungshüter (vgl. Stratyner/Keller 2009, 3). Da ist es kaum verwunderlich, dass Cartman nichts aus dem Lehrfilm lernt und stattdessen enthusiastisch den Hitlergruß nachahmt. Satirisch aufgeladen wird die Szene freilich dadurch, dass seine Schuldirektorin im Versuch ein neues Kostüm zu finden, Cartman nur von einem ‚Altnazi‘ (Hitler) in einen ‚Neonazi‘ (Ku-Klux-Klan) verwandelt. Dabei steht die symbolische Ebene im Fokus: Die Hakenkreuzarmbinde und der Bart lassen sofort darauf schließen wen Cartman darstellen soll, wie auch die charakteristisch spitzzulaufende Gespensterkapuze (siehe Abb. 1 u. 2).

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Death Race – Punkte sammeln mit Verkehrsopfern

„Sick, sick, sick!“ – das war der Kommentar des National Safety Council zum Arcade-Rennspiel Death Race (zit. n. The Dot Eaters). 1976 erschienen, löste dieser neu entwickelte Spielautomat einen Medienskandal aus. Nicht nur Zeitungsartikel wurden darüber veröffentlicht, sogar ins Fernsehen schaffte es das Spiel. Im CBS Nachrichtenprogramm 60 Minutes war es Auslöser für eine Debatte, die die psychologischen Auswirkungen solcher Gewaltspiele diskutierte. In den Medien heftig angeprangert, gilt es als eins der kontroversesten Spiele überhaupt. Death Race war aber als gewaltverherrlichendes Spiel nicht allein auf dem Markt. Warum hat aber nun genau dieses Rennspiel die Gesellschaft so in Rage versetzt?

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Softwarelogik und diegetische Kohärenz: Wegfindung in „The Elder Scrolls V: Skyrim“

The Elder Scrolls V: Skyrim

Dieser Beitrag wird sich im Folgenden nicht nur mit der bildschirmspielinhärenten Softwarelogik und deren Auswirkungen auf die diegetische Kohärenz befassen, sondern gleichzeitig der Startpunkt einer Beitragsreihe werden, die in loser Folge auf Pixeldiskurs erscheinen soll.

Dabei wird es, wie bereits im Namen angedeutet, darum gehen, wie sich Fehler oder Ungenauigkeiten im Medium des digitalen Spiels auf die narrative Kohärenz und letztlich die Diegese auswirken. Viele solcher Fehler wurden bereits in diversen Spielen entdeckt und sind durch ihre ungewollte Rekurrierung auf „das Medium als Werkzeug“ ein Teil der Popkultur geworden, so z.B. das ebenfalls durch The Elder Scrolls V: Skyrim bekannte „Arrow to the knee“-Meme, welches abseits seines Ursprungsmediums bereits im Fernsehen Erwähnung fand (z.B. in der populären US-amerikanischen Serie NCIS).

Diese im Spiel auftretenden narrativen Logikfehler würden jedoch in anderen Medien (z.B. in Büchern, Film und Fernsehen) den Rezipienten regelmäßig aus seiner Involvierung herausreißen, da er sich plötzlich mit Inkonsistenzen in der Diegese auseinanderzusetzen hat, die den logischen Fluss der Narration erschweren oder sogar empfindlich stören können. Daher soll diese Reihe dazu dienen, einige der interessantesten Fälle aufzuzeigen und zu archivieren.

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Videogametourism: Games That Never Were

 

Das 2012 von Rainer Sigl ins Leben gerufene Games-Feuilleton Videogametourism.at beschäftigt sich in vielerlei Hinsicht mit dem Kulturgut Videospiel. Doch bietet VGT nicht nur den ständigen Autoren Sigl, Robert Glashüttner, Rudolf Inderst und Joe Köller Raum für Rundschau und Analyse. Auch Gastautoren bekommen die Gelegenheit, einen Beitrag zur Kulturproduktion zu leisten.
Die Kolumne „The Games That Never Were“ verhandelt spielerische Gedankenexperimente, die dem Mainstream aus Prequels, Sequels und Neuauflagen gegenüber stehen. Im Fokus stehen Games, die revolutionär, noch nie dagewesen oder schlichtweg (und wahrscheinlich) nie durchsetzungsfähig sein werden – aber dennoch wertvollen Input für die Videogame-Kultur leisten könnten.

Die neueste Spielidee stammt von Dan und verhandelt Minion Mob Mayhem – ein kunterbuntes Genre-Durcheinander, in dem Videospielindustrie und Populärkultur endlich zueinander gefunden haben. Zum Artikel gehts hier.