Vom zweiten bis vierten Oktober fand in Marburg die Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft statt. Diese Tagung dient neben der Diskussion aktueller Themen des Fachgebiets Medienwissenschaft auch zur Präsentation von Forschungsergebnissen, zum persönlichen Austausch und zur Auseinandersetzung mit wissenschaftspolitischen Fragen.
Das diesjährige Tagungsthema „Medien | Recht“ behandelte sowohl die Begründung und Legitimation des Medialen im Allgemeinen sowohl die Frage nach den Gesetzen, Normen und Texten, die von juristischer Seite aus die Medialität der Welt geprägt haben.
Pixeldiskurs war im Rahmen der Tagung mit einer eigenen Ausstellung zum Thema „Game Over!? Zur Indizierung und Zensur von Videospielen“ vertreten.
Der Fokus der Ausstellung lag dabei auf der Präsentation von Bildschirmspielen aus aller Welt, die im Laufe der Zeit mit landesspezifischem Recht kollidiert sind und daraufhin Kontroversen verursachten sowie im Einzelfall beschlagnahmt oder indiziert wurden. Die Präsentation der Spiele teilte sich in einen Plakatbereich mit Stellwänden im Foyer und einen Raum, wo die Tagungsbesucher die Möglichkeit hatten, an den dort aufgestellten Konsolen und Computern einige der betroffenen Spiele selbst anzuspielen.
Die Resonanz der Tagungsteilnehmer war insgesamt äußerst positiv. Dass die Palette der präsentierten Rechtsfälle nicht nur das sonst in den Medien vorherrschende „Sex & Gewalt“-Spektrum abdeckte, sondern auch mit einigen Kuriositäten aufwarten konnte, sorgte sowohl für kleine Lacher als auch für irritiertes Stirnrunzeln. So hatte z.B. Griechenland im Jahre 2002 ein Gesetz erlassen, was aufgrund einer missverständlichen Formulierung alle elektronischen Spiele auf öffentlichen Plätzen verbat. In Saudi-Arabien hingegen wurde das Pokemon-Franchise aufgrund von religiösen Symbolen und Glücksspiel-Elementen vom Großmufti als „schlechter Einfluss auf die Jugend“ verbannt.
Im Installationsraum wiederum nutzten einige Wissenschaftler die Gelegenheit, ihre sonst eher theoretischen Kenntnisse der Materie aufzubessern und eventuell vorhandene Defizite kurzerhand praxisorientiert aufzuarbeiten. Neben aktuelleren Spielen wie The Darkness 2 und South Park – The Stick of Truth wurde mit Custer’s Revenge auch ein älterer Vertreter seiner Art ausgestellt. Dieses Spiel, bei dem man als nackter General Custer samt Pixelerektion eine an einen Marterpfahl gefesselte Indianerin vergewaltigen muss, demonstrierte sehr deutlich, dass das Spielkonzept auch nach 30 Jahren immer noch Fassungslosigkeit bis Entsetzen auslöst. Dies hielt diverse Tagungsteilnehmer dennoch nicht davon ab, den Highscore knacken zu wollen.
Nachfolgend noch einige persönliche Eindrücke von Mitgliedern des Kolloquiums:
„Die Praxisnähe der Ausstellung hat viel Lob bekommen. Egal ob mit Tastatur, Maus oder Controller – wer selbst spielte, hatte stets mehr Bedarf an einer Diskussion über die rechtlichen Kontroversen der Spiele.“
– Alexander Henß
„Mit den Spielstationen haben wir als Miniatur veranschaulicht, was in Jugendschutzbehörden gängige Praxis ist. Insbesondere die unmittelbare, affektive Erfahrung indizierter Titel dürfte die Perspektive einiger BesucherInnen geweitet haben.“
– Stefan Simond
Zusammenfassend sind wir sehr zufrieden mit dem Ergebnis der Ausstellung. Die Exponate wurden gut frequentiert, wir haben interessante Diskussionen mit anderen Medienwissenschaftlern führen können und insgesamt sehr viel Lob und Zuspruch bekommen.
An dieser Stelle möchten wir uns als Kolloquium nochmals bei allen Teilnehmenden bedanken, die dazu beigetragen haben, dass die Ausstellung ein Erfolg wurde.