#222 EU-internes Geo-Blocking

Über viele Jahre haben renommierte Publisher in Kooperation mit Valve Steam-Keys vertrieben, die nur in einigen EU-Ländern funktionierten. Nun folgen postewendend rechtliche Konsequenzen und die Frage steht im Raum: Wie verändern digitale Vertriebe den EU-Binnenmarkt?

Außerdem geht es um marginalisierte Perspektiven auf den Spielebegriff, Spiele mit Überlänge und die nicht stattfindende Preiserhöhung von Xbox Live Gold.

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Über Natascha Balduf

Natascha Balduf (nb) hat an der Justus-Liebig-Universität Gießen im Master Literatur-, Kultur- und Medienwissenschaft studiert und promoviert gegenwärtig am Institut für Medienwissenschaft der Philipps-Universität Marburg zur Darstellung geschlechtlicher Körper in digitalen Spielen.

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Über Stefan Heinrich Simond

Stefan Heinrich Simond (shs) publiziert und unterrichtet im Bereich der Game Studies am Institut für Medienwissenschaft der Philipps-Universität Marburg. Er promoviert zur Konstruktion psychischer Krankheiten und psychiatrischer Institutionen in digitalen Spielen, ist Chefredakteur bei pixeldiskurs.de und hostet den wöchentlichen Pixeldiskurs-Podcasts.

3 comments

  1. Hallo ihr beiden
    Ihr hattet ja um ein paar Kommentaren zur geoblocking-Situation gebeten.
    Dabei klang an, dass ihr es bei digitalen guten für durchaus sinnvoll haltet, einen fragmentierten Binnenmarkt zu haben. Das sehe ich nicht so. Einerseits kann man verstehen, dass Mitbürger in Ländern mit nicht so hohen Medianeinkünften auch partizipieren können sollten und dass die publisher andererseits Umsatz machen wollen.
    Aber haltet Euch mal das Ziel der EU vor Augen: ein integrierter Markt mit annähernd einheitlichen Standards und Freiheiten. Klar sind Neumitglieder im Club erstmal schwächer aufgestellt als größere Volkswirtschaften, aber der Binnenmarkt soll ja ein Vehikel für Wachstum und damit auch der Verbesserung der (Verdienst-)Möglichkeiten sein. Ein fragmentierter Markt kann zwar zunächst Partizipation erhöhen, scheint aber in letzter Instanz eine Ungleichheit auf ewig fest.
    Einer muss sich immer bewegen: die Publisher, die eine mischkalkulation für den gesamten europäischen Markt anstreben könnten (bei gleich hohen oder niedrigen Preisen – immerhin ist der Preisverfall nirgends so groß wie in der Gamesbranche) oder ein Staat, der die Arbeitsbedingungen (Mindestlohn, Lohnsteuer) anpassen kann, um den Bürger mehr Teilhabe zu erlauben.
    Vergleicht das mal mit dem deutschen Binnenmarkt: wieder ihr es euch auch einsehen, das für Niedriglöhner oder Sozialhilfeempfänger als über Bezugschein günstiger wäre und jeder nach seinem Einkommen bezahlt und wir Verdienst-locks haben? Das würde den Markt für Publisher verkleinern und den Staat die Inzentive nehmen, etwas gegen die Armut zu tun (den Leuten geht’s ja gut). Und führt die Ungleichbehandlung nicht zu mehr Ressentiments? Das EU Projekt als Friedensvehikel würde so gefährdet.

    Ein anderer Aspekt ist, dass geoblocks immer noch existieren, aber nicht mehr aufgrund von Preisunterschieden, sondern in Bereich Jugendschutz. Erwachsene Deutsche dürften theoretisch alle Medien (außer Kinder- und Jugendpornografie) besitzen und nutzen. Publisher dürften indizierte und beschlagnahmte Medien nur unter strengen Auflagen anbieten. Aber es wird grundsätzlich alles nicht durch die USK freigegebene zur Aktivierung in Deutschland gelocked. Damit wird aus der Empfehlung einer quasi Jugendbehörde, eine Zensur für Erwachsene geschaffen. Das Gesetz könnte zu Sicherung der Rechte Erwachsener Altersverifikationssysteme im digitalen genauso vorsehen, wie Alterssichtprüfungen im Retailhandeln. Wird aber es nicht, da Jugendschutz als Moralmauer für alle vorgeschoben wird.

    Das war ein Grund, weshalb ich die EC mit Infos zu Valve und Locks versorgt hatte, um ein Argument für locks loszuwerden. Jetzt ist offensichtlich nur noch der Jugendschutz für locks verantwortlich.

    1. Vielen Dank zunächst für deine Perspektive! Das ist natürlich ein spannender Ansatz, der differenziert aufzeigt, wie man sich mit einem eigentlichen Gerechtigkeitsansinnen im Kreise drehen kann. Mir fällt es zugegebenermaßen schwer, hier eine konkrete Position zu finden, da die Unausgewogenheiten der nationalen Märkte ja scheinbar auch längerfristig bestehen bleiben (e.g. Südeuropa) und die Integration in einen EU-Binnenmarkt weitaus weniger gut funktioniert als es wünschenswert wäre.
      Geo-Locks erscheinen mir aus dem von dir genannten Grunde nicht sinnvoll und widersprechen ja tatsächlich auch geltendem EU-Recht. Und überzeugt hast du mich auf jeden Fall hinsichtlich der Überlegung, dass Publisher dann überlegen müssen, wie sie den Preis innerhalb der EU so gestalten können, dass Sie ihren Gewinn maximieren können. Immerhin besteht ja auch ein großes Interesse seitens der Publisher, in die Märkte finanziell schwächer gestellter EU-Länder vorzudringen.

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