#193 PS5-Event, BlackLivesMatter, pro-soziales Verhalten

Shownotes:

Bild: Lorie Shaull

avatar

Über Tobias Klös

Tobias Klös (tk), Master of Arts (M.A) Erziehungs- und Bildungswissenschaft ist Redakteur bei pixeldiskurs.de und Co-Host des Pixeldiskurs Podcasts. Interessen: Gamification und Game Based Learning

avatar

Über Stefan Heinrich Simond

Stefan Heinrich Simond (shs) publiziert und unterrichtet im Bereich der Game Studies am Institut für Medienwissenschaft der Philipps-Universität Marburg. Er promoviert zur Konstruktion psychischer Krankheiten und psychiatrischer Institutionen in digitalen Spielen, ist Chefredakteur bei pixeldiskurs.de und hostet den wöchentlichen Pixeldiskurs-Podcasts.

avatar

Über Natascha Balduf

Natascha Balduf (nb) hat an der Justus-Liebig-Universität Gießen im Master Literatur-, Kultur- und Medienwissenschaft studiert und promoviert gegenwärtig am Institut für Medienwissenschaft der Philipps-Universität Marburg zur Darstellung geschlechtlicher Körper in digitalen Spielen.

13 comments

  1. zu der Vorbestellung von Tobi: es ist höchst umstritten ob Discs oder Downloads umweltschädlicher/umweltfreundlicher sind. also diese Eindeutigkeit, die oft für pro-Download vorgebracht wird, gibt es da schlicht nicht. Gibt da auch einige interessante Artikel zu dem Thema, die sich damit näher auseinander setzen.

    1. Die Gleichung, dass digitale Distribution immer emmissionsärmer ist, stimmt vermutlich nicht, da würde ich zustimmen. Es gibt auch Studien dazu, wie etwa Mayers et. al (2014) The Carbon Footprint of Games Distribution (https://doi.org/10.1111/jiec.12181) Dabei scheinen mir die berücksichtigten Faktoren allerdings teilweise unzuverlässig.
      Für die physische Distribution ist vollkommen klar, dass die Herstellung und Entsorgung der Plastik-Hüllen, der Discs sowie möglicher Leaflets anfällt. Hinzu kommt der Transport sämtlicher Kopien über den Globus. Für die digitale Distribution bedarf es hauptsächlich einer Netzinfrastruktur, die auch sicherlich nicht klima-neutral ist.

      In der Studie von Mayers et. al werden allerdings für die digitale Distribution zahlreiche Faktoren berücksichtigt, hinter die ich ein Fragezeichen setzen würde. Dazu gehört etwa die Laufzeit eines Endgeräts inklusive Bildschirm für den Download. Tatsächlich aber wird der Download oftmals im Hintergrund laufen, während das Gerät ohnehin angeschaltet ist. Umso schneller die Internetverbindung ist, desto kürzer zudem die Download-Zeit – wobei die Downloads selbst natürlich auch immer größer werden. Hinzukommend verfügen heute deutlich mehr Geräte als noch 2010 (aus dem Jahr stammen die Daten der obigen Studie) über einen Rest/Sleep-Mode, sodass der Download mit drastisch reduziertem Energieverbrauch abläuft.

      Das ist nur ein Beispiel, aber meine Argumentation wäre hier, dass für die digitale Distribution deutlich mehr Kontextfaktoren berücksichtigt werden als für die physische; so etwa wäre auch zu berücksichtigen, dass die physischen Kopien in Läden aufgestellt werden, die wiederum nicht emmissionsfrei operieren. Letztlich würde das wohl eine ziemlich komplizierte Gleichung 😀

      1. Da hat Stefan einen guten Punkt. Wir sollten jedoch trotzdem bedenken, dass unsere digitale Infrastruktur nicht emissionsfrei ist. Die Vorstellung die Cloud sei nachhaltig ist erstmal naiv. Ich würde Stefan jedoch zustimmen, dass dies nicht bedeutet, dass Kinde mit dem Bade auszuschütten und den digitalen Download zu verwerfen. Für mich persönlich stellt sich die Frage: Inwiefern ist es ggf. trotzdem legitim ein Produkt in physischer Form zu kaufen, dass über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte in meinem Besitz bleibt und ggf. in andere Hände übergeht. Hinsichtlich der Haltbarkeit von Plastik natürlich ein schlechter Gedanke: Das Plastik der Hülle von Assasins Creed: Odyssee wird wohl eine längere Reise machen als ich. Ich wäre diesbezüglich dafür, dass darüber nachgedacht wird, inwiefern wir nachhaltige Spiele-(Verpackungen) und Distributionen erreichen können. Warum nicht die PS5 in einem umweltfreundlichen Karton verkaufen (ja das sieht im Laden nicht gut aus, aber ich behalte den Karton ggf. eh nicht) und auch bei den Hüllen würde ich mich tatsächlich über eine Karton/Pappvariante freuen. Mir fehlt hier persönlich die Debatte, die wir im Bereich Ernährung führen. Da werden Plastiktüten/Netze usw. ersetzt durch Baumwolltaschen und Co. Im Bereich Gaming (scheint) sich nichts zu tun.

  2. Vielen Dank für deinen Kommentar. Wenn ich so darüber nachdenke, dann ist natürlich der Download auch nicht einfach da. Es werden Sever benötigt, die die notwendigen Dateien speichern und für meinen Download bereit halten. Diese benötigen entsprechend viel Strom und sind auch aus entsprechenden Materialien hergestellt. Wenn ich das Spiel fertig gespielt habe, lösche ich es von meiner Festplatte. Sobald ich es ggf. erneut spielen will muss erneut Energie aufgebracht werden. Die Frage: „Wie umweltschädlich sind digitale Spiele?“ wäre aufjedenfall ein Thema was mich interessieren würde.

  3. Ihr habt ja zu Kommentaren zur neuen Struktur gefragt.

    Ich finde sie grundsätzlich gut und denke ich kann mich damit anfreunden. Natürlich ist es noch ungewohnt aber insgesamt gefällt es mir gut, weil so die Themen nicht mehr gehetzt werden müssen nur im zum Thema der Woche zu kommen. Das Gespräch entwickelt sich auf die Art meiner Meinung nach natürlicher.

    Nur die spiele Woche fehlt mir etwas aber ich kann verstehen, dass es doof ist wenn am Ende immer einer sagen muss, ich hatte die Woche leider keine Zeit oder Lust zum spielen. Das wirkt dann wie entschuldigen obwohl das gar nicht nötig ist.
    Und das fühlt sich bestimmt doof an.

    So weit meine Gedanke dazu.

    Zum Thema Sony und die Absage. Man mag mich zynisch nennen aber meines Erachtens mach war das allein eine von der PR getroffene Entscheidung um die Marke nicht zu schädigen. Und ich persönlich denke auch nicht, dass man von einem Konzern dessen einziges Anliegen Geld verdienen ist erwarten kann oder sollte, da mehr zu tun als eben Rücksichtnahme in der Brand Willen.
    Da ist das System grundlegend kaputt und solche Entscheidungen werden nunmal so getroffen, dass man möglichst wenig Geld verliert. Deshalb sind die Proteste in Hongkong auch nicht so wichtig, weil es eben viel weniger Impact auf die Käufer hat als Proteste in den USA.
    Bzw würde man sich dort mit einer Bekenntnis zu den protestieren sogar den chinesischen Markt verbauen was sehr große Verluste bedeuten würde und dann kann ein Unternehmen einfach nicht machen. Nicht wenn es am Markt relevant bleiben will.

    Liebe Grüße Stefan J.

    1. Danke Dir für das Feedback und den Kommentar. Ich denke auch, dass eine Solidaritätsbekundung mit den Protesten in Hongkong ggf. wirtschaftliche Schäden nach sich ziehen würde. Da stellt sich jedoch auch die Frage: Will man Profit um jeden Preis? Sollten Firmen aus demokratischen Ländern überhaupt Geschäfte mit Diktaturen machen?

    2. Vielen Dank für das Feedback zu unserem Strukturexperiment! Nach reiflicher Überlegung sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass wir vorerst zur alten Struktur zurückkehren. Dennoch nehmen wir einige wichtige Schlussfolgerungen für künftige Sendungen mit, die uns begleiten werden, weshalb sich das Experiment zweifelsohne gelohnt hat.

      Deine Einschätzung zur Absage des PS5-Events teile ich größtenteils. Als Teil des Wirtschaftssystems werden für Sony politische Sachverhalte einzig relevant, wenn sie die Codierung des Systems (also den Umsatz) betreffen. Ich denke auch nicht, dass das zynisch ist, sondern eher eine adäquate Beschreibung der Situation.
      Die Frage, ob das gut oder schlecht ist, ist dann natürlich eine andere. Wir können jedenfalls immer wieder beobachten, dass Unternehmen auf ihre Weise auf politische Belange reagieren; etwa im Falle der Klimakrise oder hier im Falle von BlackLivesMatter. Von den Unternehmen zu erwarten, sie würden sich von ihrem eigenen Profitstreben verabschieden zugunsten einer guten Sache wäre wohl schlicht ein Missverständnis des Wirtschaftssystems.

      1. Ich denke, dass die Unternehmensleitung die falsche Adresse ist. Was jedoch durchaus denkbar wäre, ist das die Belegschaft einen (politischen) Streik oder ähnliches initiiert um sich zum Beispiel mit ihren Kolleg*innen in HongKong zu solidarisieren. Um solch ein Unterfangen zu organisieren, fehlt es jedoch an Gewerkschaftsmitgliedschaften und entsprechenden Gewerkschaften.

  4. Huhu,

    schön, euch wieder zu hören!
    Ich freue mich sehr, wieder mit „Es ist mal wieder Sonntag…“ beglückt worden zu sein – dieser Satz gehört einfach in diesen Podcast! <3
    Ganz besonders begeistert hat es mich natürlich, dass ihr einen Rakuen-Key verlesen habt! Ich hatte mir tatsächlich vorgenommen, beim nächsten Sale einen Key zu erwerben und euch zu spenden, da ich das Spiel einfach so spielenswert finde. Ja, manche Sequenzen sind mitunter ein klein wenig (wirklich nur ein wenig) zäh, aber das Gesamtwerk macht das wieder wett – wer das Ende des Spiels erlebt hat, stimmt mir sicher zu.

    Zu Psycho-Studien kann ich wohl halbwegs qualifiziert was beitragen. ^^'
    Erstmal grundsätzlich: ich finde den Gedankengang spannend und sehr nachvollziehbar, dass der Faktor des Scheiterns zu wenig im Blick ist, wenn Studien zu gesteigerter Aggressivität durch Videospiele durchgeführt werden. Wichtig wird das schließlich an dem Punkt der „Killerspieldebatte“, an dem diskutiert wird, dass die Gewaltdarstellungen ursächlich für aggressives/gereiztes Verhalten sind. Umgekehrt ist in dem Zusammenhang die aus der Studie gewonnene Erkenntnis ja sogar eher noch ernüchternd; jedenfalls, wenn man es überspitzt: waren Eltern früher darauf bedacht, ihre Kids von „Gewaltspielen“ fern zu halten in der Hoffnung, sie hätten dann weniger gereizte Kinder vor sich, müssten sie ihnen nach dieser Logik jedwede Spiele vorenthalten, in denen die Möglichkeit des Scheiterns besteht. 😉

    Nun mal zum statistischen Part und euren Überlegungen zur „Gültigkeit“ der Studie:
    Beim Design dieser Studie handelt es sich um ein 2×2 between-subjects-Design. Bedeutet hier konkret: 2 Spiele (violent vs. nonviolent) x 2 Bedingungen (obstructed view vs. unobstructed), jede Person wird nur einer dieser vier Bedingungen zugeordnet. Das heißt, die Probandenzahl von 41 teilt sich mit jeweils zehn bzw. 11 auf die vier Bedingungen auf, was in zehn bzw. elf Datenpunkten pro Bedingung resultiert. Das ist für ziemlich jede statistische Untersuchung eine EXTREM dünne Datenbasis.
    Ja, es wurden signifikante Effekte mit p < .05 gefunden, allerdings ist das nicht dolle signifikant – kein Ergebnis, mit dem man so richtig glücklich ist. Sie führen ja in der Diskussion auch zurecht aus, dass eine größere Stichprobe für weitere Untersuchungen nützlich wäre.

    Ich selbst habe im Studium nichts von dieser Pen-Pickup-Methode gehört, aber das wäre ja auch viel zu anschaulich gewesen. 😉 Solche Untersuchungsmethoden wurden bei uns überhaupt nicht gelehrt. Und, wie Tobi ja auch schon anmerkte, sind solche Methoden auch nicht 100%ig belastbar, weil es verschiedenste Gründe geben kann, warum jemand die Stifte nicht aufhebt. Bei großen Stichproben mag sich das Ein oder Andere rausmitteln, aber das ist bei 41 Probanden nicht gegeben.
    Tascha sagte sowas wie „Die wissen ja wohl schon, was sie tun“… nein, leider wissen sie das nicht zwingend. 😉 An vielen Unis ist die statistische Ausbildung wirklich schlecht. Ich habe eine vergleichsweise gute Ausbildung an meiner Uni genossen (immerhin 8 Veranstaltungen + die eigenen Projekt- und Abschlussarbeiten), aber das ist einerseits eher ungewöhnlich und andererseits noch immer weit von dem entfernt, was man alles wissen kann. Andere Disziplinen (z.B. die Neurobiologen) machen sich über die Qualität mancher psychologischer Forschung / Statistik gerne lustig… Klar, in hochrangigen Journals hat man hoffentlich statistisch bewanderte Peer-Reviewer, aber aufpassen sollte man bei Publikationen durchaus. Und es mag ja auch sein, dass die Leute hinter der Studie hier durchaus statistisch gut genug geschult sind und es andere Gründe gab, weswegen nur so wenige Probanden getestet wurden. Bin leider selbst nicht mehr genug in der Materie um zu beurteilen, ob sie auch wirklich das korrekte statistische Verfahren für dieses Design, diese Fragestellung und diese Daten (jedes statistische Verfahren hat Vorannahmen bezüglich des Datensatzes, deren Erfüllung eigentlich erst ausgerechnet werden muss) angewendet haben… 😉

    Und abschließend noch zur Eskapismus-Diskussion: ja, ich kann diesen Wunsch nachvollziehen. Mir geht es schon seit geraumer Zeit so, dass ich nur noch sehr dosiert Nachrichtenseiten aufrufe und in den letzten Tagen bin ich auch nur noch wenig auf Twitter unterwegs. Auch ich habe das Gefühl, dass sich viele große Probleme gerade zuspitzen und gefühlt vieles einfach bergab geht. Damit bin ich manchmal auch überfordert – es macht einfach so hilflos. Andererseits hat die Menschheit selbstverständlich schon ganz andere politische Lagen erlebt; Leib und Leben war schon weitaus bedrohter als sie das im Moment sind (jedenfalls hier in Europa), aber dennoch überkommt mich zur Zeit auch oft das Gefühl, auf einem immer unruhigeren Meer mit immer mehr Stürmen in einer kleinen Nusschale hin und her zu treiben – meist ohne Land zu sehen….

    1. Danke für die fachliche Einordnung. Mir scheint die Aufteilung in Gruppen dann doch auch sehr klein. Das kann dann eine erste Untersuchung sein, die man in weiteren größeren Verfahren noch weiter untersuchen muss. Anderer Meinung bin ich jedoch weiterhin bei der Zuspitzung der Konflikte. Zwar mag es aktuell eine Debatte um Klimawandel, Rassismus, Kapitalismus und Corona geben, aber diese Themen sind schon die letzten Jahrzehnte/Jahrhunderte relevant. Was wir aktuell erleben, dass unsere Nussschale jetzt mal auch was davon abbekommt und wir ein Bewusstsein für diese Themen entwickeln. Allerdings gibt es auch Menschen die meinen: Corona nicht schlimmer als die Grippe, Rassismus – halb so schlimm, Klimawandel – is noch was hin usw. usf. Ich bin leider nicht so bewandert in der Psychologie, aber hier scheint mir vor dem Horror der Welt oft ein ‚Verdrängung‘ am Werk. In meinem Bücherregal wartet immer noch ein Buch auf mich, dass sich damit näher auseinandersetzt und eine Pädagogik fordert, die dem Horror der Welt begegnet. Denn was ist der Tod von George Floyd, die unglaublich große Zahl an zukünftigen Todesopfern im Kontext des Klimawandels anderes als realer Horror? Das als kleine ungeprüfte Gedanken dazu. Ggf. muss ich hier aber auch nochmal die Differenz zwischen Horror und Terror nachschlagen. Ich erinnere mich an eine Folge in der wir das schonmal angeschnitten hatten.

  5. Kurzes Update zur Folge. Meine Bestellung kommt wohl pünktlich an:
    „einer Ihrer vorbestellten Artikel ist jetzt für die Lieferung am Veröffentlichungsdatum berechtigt und wurde ohne zusätzliche Kosten aktualisiert.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.