Pixeldiskurs-Podcast #128 – Was ist ein #GutesSpiel?

Im Anschluss an eine Tagung des Grimme Instituts in Köln geisterte in der vergangenen Woche die Frage ‚Was ist ein #GutesSpiel?‘ durch die Echokammern der sozialen Medien. Leichtfüßig weisen wir dabei Spielen die Eigenschaft zu ‚gut‘ zu sein und meinen dabei üblicherweise, dass sie uns persönlich gefallen. Ist das alles oder lässt sich ‚Qualität‘ möglicherweise auch anders bestimmen?

Außerdem geht es um Apex Legends, #FireBobbyKotick und ein Mario Kart-Turnier.

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Inhalt:

00:00:00 – 00:40:27 Spielewoche
00:40:27 – 00:55:16 Presseschau
00:55:16 – 01:41:32 Thema der Woche

Shownotes:

Hintergrund Vektor erstellt von pikisuperstar – de.freepik.com

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Über Tobias Klös

Tobias Klös (tk), M.A. Erziehungs- und Bildungswissenschaft, ist seit 2016 Co-Host des Pixeldiskurs-Podcasts. Im Bereich der Game Studies interessiert er sich für Game-Based-Learning, Gamification, Kulturindustrie und die Räumlichkeit digitaler Spiele.

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Über Stefan Heinrich Simond

Stefan Heinrich Simond (shs) publiziert und unterrichtet im Bereich der Game Studies am Institut für Medienwissenschaft der Philipps-Universität Marburg. Er promoviert zur Konstruktion psychischer Krankheiten und psychiatrischer Institutionen in digitalen Spielen, ist Chefredakteur bei pixeldiskurs.de und hostet den wöchentlichen Pixeldiskurs-Podcasts.

3 comments

  1. Der Perspektiven-Clash eines „guten“ Spieles

    Zusammenfassung und Ergänzung:

    Es folgen 4 Definitionen eines “guten” Spiels aus Sicht verschiedener Spiele-Akteure und Spiele-Akteurinnen.

    1. Aus Sicht der SpielerInnen: Die Frage nach einem „guten“ Spiel wird biografisch beantwortet, besonders da sich Bedingungen und Ansprüche der SpielerInnen im Laufe der Zeit verändern können. Die Antwort ist also subjektiv und zweckgebunden. Zum Beispiel kann ein Spiel dem Zeitvertreib dienen oder den Zweck erfüllen, mit Freunden etwas erleben zu wollen. Daher ist die Antwort eines Spielers oder einer Spielerin stark meinungsabhängig und eher erfahrungsbezogen. Der Spieler oder die Spielerin verknüpfen unterschiedliche Erwartungen und Leidenschaften mit individuell erlebten Emotionen, während eines oft schwer zu rekonstruierenden Spielerlebnisses und bewerten dieses dann als „gut“. Und hatten dann vielleicht auch irgendwann während dieses Prozesses auch mal subjektiven „Spaß“.

    2. Aus Sicht der Journalisten und Journalistinnen: Der Journalismus will seinen Rezipienten die Frage beantworten: Soll ich lieber Spiel A oder Spiel B kaufen? Daher stellt sich der Journalist oder die Journalistin die Frage: Welche Kriterien kann ich an ein Spiel anlegen, um die Spiele miteinander vergleichen zu können? Der modernere Gamesjournalismus wechselt hier in die Rolle der Aufklärung. Dann ist die Frage: Welche kulturelle oder politische Relevanz hat die Branche oder das Spiel? Dann ist ein “gutes” Spiel gleich ein “interessantes” Spiel. Hier stellen sich auch wirtschaftliche Fragen. Über ein massenmarkttaugliches Spiel zu berichten, sichert im Zweifel mehr Werbeeinnahmen. Aber es ist viel im Umbruch: Wenn sich die Fragen und Interessen der Rezipienten und Rezipientinnen ändern, ändert sich auch die Berichterstattung und die Inhalte journalistischer Beiträge.

    3. Aus Sicht der Publisher/SpielentwicklerInnen: Wenn die Laune der Aktionäre, der eigene Job oder die Miete von einem “guten“ Spiel abhängt, werden andere Fragen gestellt: Wie oft wird sich das „gute“ Spiel verkaufen? Wie viel Geld hat es am Ende eingespielt? Ein “gutes“ Spiel ist es dann, wenn es einen Massenmarkt anspricht oder zumindest einen Lebensstandard der mitarbeitenden, lohnabhängigen Personen sichert.

    4. Aus Sicht der GamedesignerInnen/ProgrammiererInnen/MusikproduzentInnen/SchauspielerInnen (KunsthandwerkerInnen)…: Hier stellt sich die Frage: Was ist „gute“ Kunst? Welche politische oder moralische Frage möchte ich durch mein Spiel in den Diskurs bringen? Welches Werk möchte ich schaffen oder welche Emotion möchte ich teilen? Bin ich am Ende mit meinem Werk zufrieden? Wie „gut“ ist es mir gelungen die Frage zu stellen? Wie „gut“ wird der Spieler oder die Spielerin die Intension meines Werkes verstehen? Wie „gut“ habe ich mein persönliches Ziel mit meinem Werk erreicht? Wie „gut“ habe ich meine Idee umgesetzt?
    [Siehe auch: Walk, Wolfgang: Wortreich – Was fehlt ist nicht der Autor. The Pod. 23.01.19 https://www.gamespodcast.de/2019/01/23/was-fehlt-ist-nicht-der-autor/%5D

    Aus Sicht der WissenschafttlerInnen/der Lehre: Dort stellen sich ganz andere Fragen. Beispielsweise: Welche Effekte lösen die Spiele aus? Welche kulturelle Bedeutung haben sie? Eigentlich können sich WissenschaftlerInnen am wenigsten erlauben ein Spiel “gut” oder “schlecht” zu titulieren, da sie meist kontextgebunden analysieren und eher eine Aussage darüber treffen sollen, welches Spiel für welchen Zweck geeignet ist, rückblickend welche Bedeutung, oder welche Wirkungen die Spiele haben. Hier stellt sich eher die Frage: Warum finden viele Menschen das Spiel “gut” oder “schlecht”. Ein „gutes“ Spiel für die Wissenschaft ist also eher ein Spiel mit hoher kontextbezogener Relevanz.

    Fazit:
    Die Antwort auf die Frage, ob ein “gutes“ Spiel vorliegt, hängt davon ab, welchen Spiele-Akteur oder Spiele-Akteurin man fragt. Die Frage lässt sich nur subjektiv und kontextbezogen beantworten. Eine allgemeingültige Antwort existiert nicht.

    Vielen Dank für euren tollen Podcast.
    Eure Strohi

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