Flash-Tipp: Elude

„Aber jeder weiß“, sagt Meursault, „dass das Leben nicht lebenswert ist.“[1] Und so sehr unterscheidet sich der zum Tode Verurteilte von jenem zum Leiden Verurteilte nicht. Die drückende Schwere kann diffus, kann latent, kann Sinnkrise sein. Die Depression führt, dicht gefolgt von Demenz und Schwerhörigkeit, die Volkskrankheiten tapfer an[2] und ist in ihrem Erscheinungsbilde so komplex wie in ihrer Therapie.

Erschwerend kommen zur persönlichen Situation oftmals das Unverständnis und die Hilflosigkeit Umstehender hinzu. Vom „das wird schon wieder“ ist es ein Katzensprung zur Ignoranz und immerhin heilt doch die Zeit alle Wunden. Wer sich mit einer offenen Unterarmfraktur auf dem spiegelglatten Bordstein windet, wird das Entsprechende zu erwidern wissen.

Ein kleines Flash-Spiel soll mehr Verständnis ermöglichen, soll – ganz ähnlich wie Zoe Quinns Depression Quest – einen groben Eindruck vermitteln, wie es sich anfühlen mag, wenn die Niedergeschlagenheit einem nicht den Unterarm, wohl aber den Geist bricht. Elude ist ein nie fortgeführter Prototyp von 2010, dessen Zweck sich in der klinisch-praktischen Anwendung finden sollte.

„There is no end. There is no beginning. There is only the passion of life.“

Elude

 

[1] Camus, Albert: Der Fremde (1942: 148)

[2] http://www.deutsche-depressionshilfe.de/stiftung/volkskrankheit-depression.php

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Über Stefan Heinrich Simond

Stefan Heinrich Simond (shs) arbeitet am Institut für Medienwissenschaft der Philipps-Universität Marburg, bereitet eifrig seine Promotion vor und studiert nebenher im Master Philosophie. Er ist nicht nur Musiker und Autor, sondern verachtet auch leidenschaftlich Videospiele – jeden Sonntag im Pixeldiskurs-Podcast.

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