Flash-Tipp: Coming Out Simulator 2014

Auf die eine oder andere Weise ist Diskriminierung wohl niemandem gänzlich unvertraut. In der Schule war ich klein und dick; Grund genug für dumme Sprüche. Jetzt bin ich groß und dünn und bekomme ständig gesagt, ich solle doch mal was essen. Die Leute können sich nicht entscheiden. Wenn man mal eine Weile mit grün-pinkem Iro, in vernieteter Lederjacke und Springerstiefeln durch eine Kleinstadt spaziert, entgeht einem nicht, dass Leute lästern, die Straßenseite wechseln oder sich dazu berufen fühlen, einem mitzuteilen, dass es nicht Fasching sei.

Aber hey, ich bin weiß, ich habe keine sichtbare Körperbehinderung, ich bin ein Mann, kann mir ein sozial akzeptiertes Outfit leisten und wenn ich das mal nicht will, dann krame ich nostalgisch meine Lederjacke aus dem Kleiderschrank. Wie es wohl sein mag, seine sexuelle Orientierung verbergen zu müssen, wie es wohl ist, bei einem solch intimen Anliegen selbst bei der engsten Familie nur auf Unverständnis zu treffen – dafür muss ich meine Fantasie gebrauchen.

Mutige Entwickler wie Nicky Case helfen mir dabei auf die Sprünge. Der Coming Out Simulator 2014 ermöglicht es mir, Nickys Geschichte auf unterschiedliche Arten und Weisen zu erleben, mit konservativen Eltern über die eigene Homosexualität zu sprechen und zumindest für ein paar Minuten zu verstehen, wie es wohl sein mag, wenn das mir Selbstverständlichste anderen als widernatürlich und abstoßend erscheint. Und das auf eine erfrischend humorvolle Art und Weise.

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Über Stefan Simond

Stefan Simond (sts) studierte an der Philipps-Universität Marburg im Master Medien & kulturelle Praxis. Er ist nicht nur Musiker und Autor, sondern verachtet auch leidenschaftlich Videospiele. Neben seiner Funktion als Chefredakteur auf pixeldiskurs.de arbeitet er am Institut für Medienwissenschaft in Marburg.

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