Die Podcast-Rundschau

Es gibt so viele unterschiedliche Möglichkeiten, sich über Neues und Kontroverses aus der Videospielkultur zu informieren: Internet-Portale, soziale Netzwerke, die guten alten Zeitschriften und natürlich unser Blog. Für mich spielen in den letzten Jahren jedoch Podcasts eine zunehmend große Rolle. Am Frühstückstisch als imaginierter Gesprächspartner, im Bus, um die lästigen Stimmen aufgeregter Mütter zu ersticken, die mit ihrem Kinderwagen wie bekloppt durch die Menschenmenge rammeln oder auf der Couch als Hintergrundgedudel zum segensreichen Mittagsschlaf.

Doch es gibt viele Podcast, in der Tat – und stetig werden es mehr! Um euch dabei zu helfen, den Überblick zu behalten haben wir eine möglichst breite Auswahl überwiegend deutscher Podcasts zusammengetragen, kategorisiert und rezensiert. Vielleicht können wir euch so den ein oder anderen Geheimtipp zustecken und vielleicht…aber auch nur ganz vielleicht…euer Leben bereichern.

Wenn euch noch Podcasts einfallen, die uns durch die Lappen gegangen sind, dann spendet uns doch einfach einen Kommentar inklusive eurer Meinung!

Der Podcast der ehemaligen Gamestar-Redakteure Christian Schmidt und Gunnar Lott ist mehr eine anekdotische Erzählung aus ihrer journalistischen Zeit als die Rezension von Spieleklassikern. Thema ist zwar immer ein Spiel oder eine Serie, dennoch geht es mehr um die subjektiven Erfahrungen, welche die beiden mit den Spieleklassikern gemacht haben. Daher steht der Podcast in der Tradition des New Games Journalism und stellt eine Zeitreise in eine andere Ära von Computerspielen dar.

Wenn man jedoch in dieser Zeit noch kein aktiver Rezipient von Computerspielen war – z. B. durch das Alter bedingt – kann man oftmals nur schwer folgen. Die beiden Urgesteine des deutschen Spielejournalismus haben die Angewohnheit oftmals weit von ihrem eigentlichen Thema abzuschweifen. Da es um Retro-Spiele geht, ist das aber völlig in Ordnung. Der Podcast richtet sich eben an Retro-Gamer, die sich an ihre Spielerfahrungen von damals zurückerinnern wollen. Der Mehrgewinn durch die Insider-Informationen ist da nur noch das Sahnehäubchen. Für Spieler der neuen Generation ist es von Vorteil sich den Podcast auf YouTube anzuhören, da einige Folgen mit passenden Spielszenen visualisiert werden.

Link zum Cast: http://www.stayforever.de/

– Kevin Pauliks

Gregor Kartsios, Moderator und einziges ständiges Mitglied des GameOnePlauschangriffs, beschreibt sein Podcastprojekt als Gespräche, die es redaktionsintern sowieso gegeben hätte und bei denen sie dann einfach ein Mikrofon mitlaufen lassen. Der Podcast zeichnet sich durch zahlreiche humorvolle Anekdoten, Themenabweichungen und ausufernde Diskussionen aus – der Rekordcast zum Spielejahr 2012 geht stolze acht Stunden.

Die Teilnehmer kennen sich gegenseitig sehr gut und pflegen ein freundschaftliches Verhältnis, was eine authentische und lockere Atmosphäre erzeugt. Technischen Tiefgang oder eine kulturkritische Auseinandersetzung mit den vielfältigen Themen (Games/Filme/Events/Serien) findet man leider nur selten. Aktualität spielt keine Rolle für die Themenauswahl des Podcasts. Der Fokus liegt auf Entertainment und Spaß für die Aufnehmenden und die Zuhörenden.

Link zum Cast: http://www.gameone.de/specials/der-gameone-plauschangriff

– Julian Zschocke

Seit Sommer 2008 ergießt sich die Redaktion des Print-Magazins play³ im zweiwöchentlichen Rhythmus und weist somit eine beeindruckende Konsistenz auf. Der Fokus liegt auf detaillierten Rezensionen aktueller PlayStation-Titel; die thematische Struktur hangelt sich zumeist entlang von Userfragen aus dem verlagseigenen Forum.

Besonders beliebt ist der play³-Podcast innerhalb der Community aufgrund der humoristischen Abschweifungen des Teams, angereichert mit Reise-Eindrücken und Selbstironie. Neben technisch teils tiefgängigen Exkursen bleibt der Cast auch nach 120 Episoden kulturell sehr oberflächlich und politisch größtenteils unreflektiert – kritische, ernste Themen werden oftmals vermieden. Die journalistische Form entspricht den gängigen Konventionen und weist eine enge Kopplung an die Tagesaktualität der Gaming-Industrie auf.

Link zum Cast: http://www.videogameszone.de/play3-Podcast-Thema-215887/

– Stefan Simond

Fast so zuverlässig wie die Tagesschau präsentieren die Betreiber und Autoren der Seite Superlevel.de täglich ihren Podcast Insert Moin. Die durch ausgewählte Werbung finanzierte Internetseite hat sich auf die Fahne geschrieben über Videospiele als „wichtiges Kulturgut“ zu informieren. Allzu ernst sind die aufgezeichneten Skype-Konferenzen der Caster allerdings nicht. Es herrscht ein freundlicher bis lockerer Umgangston. Auch das Gespräch mit häufig beteiligten Gästen – mehr oder weniger bekannte Namen aus dem Videospiel-Journalismus – klingt wie unter gleichen.

Neben kommerziell erfolgreichen Spielen der Unterhaltungsgiganten widmet sich der Podcast vor allem Indie Games, aber ebenso neuer Hardware oder auch brisanten Themen und Kontroversen rund um Videospiele. Ebenfalls im Angebot ist der zweiwöchentlich erscheinende Cast mit dem kantigen Namen IndieFresse. Hier liegt der Schwerpunkt ganz eindeutig auf Indie-Titeln. Insert Moin zeigt sich bei seiner Themenvielfalt flexibel, passt seine Struktur den Bedürfnissen des Inhalts an. Es scheint, dass die Auswahl der Themen teils ein Reagieren auf die Interessen der Szene ist, teils der Willkür und den persönlichen Präferenzen der Caster folgt. Die stete Mischung aus Information und Diskussion ist von Subjektivität geprägt. Ein Austausch der verschiedenen Charaktere in der Superlevel-Redaktion hat aber dennoch eine nachvollziehbare Urteilsfindung zur Folge, die von verallgemeinernden Punktewertungen Abstand nimmt. Interessierte Hörer mit Erfahrung in der Videospielszene erhalten so die Möglichkeit, mitzudenken. Wer sich mit dem Vokabular des Spiele-Journalismus nicht auskennt und auf der Suche nach scherzhaft-plätschernder Unterhaltung ist, bleibt unbefriedigt. Reinen Unterhaltungswert hat Insert Moin selten.

Link zum Cast: http://superlevel.de/kategorien/cast/insertmoin/

– Aaron Beller

Der Spieleveteranen-Podcast setzt sich aus den ehemaligen Redakteuren des einstigen Pioniermagazins PowerPlay zusammen und besteht konkret aus Boris Schneider-Johne, Heinrich Lenhardt, Winnie Forster, Jörg Langer und Anatol Locker. Hier werden in unregelmäßiger Folge lockere Gesprächsrunden geboten, die nicht nur durch die geballte Spieleerfahrung der einzelnen Teilnehmer bestechen, sondern auch durch deren Vergangenheit im Printbereich ein gewisses nostalgisches Feeling verbreiten. Vor allem, wenn zum Schluss des jeweiligen Podcasts ein Rückblick auf die vor 20 Jahren aktuelle Ausgabe der PowerPlay stattfindet, wähnt sich der mit diesem Magazin aufgewachsene Zuhörer voll und ganz im Retro-Nostalgiehimmel.

Die einzelnen Beiträge sind durchweg locker, aber trotzdem sachlich. Bedingt durch die technischen Rahmenbedingungen (einige Teilnehmer werden per Sprachkonferenzsoftware zugeschaltet) gibt es zwar manchmal einige Aussetzer, diese erzeugen jedoch den Eindruck eines ‚ungeschnittenen‘ und authentischen Podcasts, was auch durch das gelegentliche Durcheinanderreden verstärkt wird. Durch die Vergangenheit der einzelnen Teilnehmer ist der Stil ganz klar journalistisch und zielt daher auf eine Zielgruppe, die ihrerzeit mit den Magazinen aufgewachsen ist.

Link zum Cast: http://www.spieleveteranen.de/podcasts

– Bernhard Runzheimer

Seit Februar 2013 versorgen Christian Justus und Nils Wachter monatlich all jene mit ihrem Podcast, die einen tieferen Einblick in die Kultur der Videospiele erhalten möchten. Die etwa 50 bis 90 minütigen Interviews mit Spiele-Journalisten, Akteuren der Spiele-Industrie und Vertretern der Wissenschaft widmen sich übergeordneten Themen. Konkrete Spiele-Titel werden lediglich als Beispiele in die Gespräche eingebracht. So berichten etwa Indie Game-Publisher oder Entwickler über die Chancen und Probleme auf dem Videospiele-Markt, geben Informationen über Betriebsabläufe in ihren Unternehmen preis und erzählen Anekdoten aus ihrem Geschäft. Hier geht es um den Ernst des Lebens derer, die mit Videospielen auf die ein oder andere Weise Geld verdienen. Dementsprechend wirkt der Podcast erwachsen und oftmals auch sehr trocken. Somit richtet sich der Spieleclub an ein reiferes Publikum, das im Videospiel nicht nur sein Freizeitvergnügen, sondern auch ein potentes Produkt der Unterhaltungsindustrie und einen ernstzunehmenden Gegenstand der populären Kultur sieht.

Link zum Cast: http://spieleclub.fm/

– Aaron Beller

Satte 317 Episoden verzeichnet der Beyond-Podcast bei IGN. Jeden Dienstag findet sich eine Runde von RedakteurInnen unter der Moderation von Greg Miller zusammen, um über PlayStation-spezifische Themen zu sprechen. Strukturell ist der 60-minütige Cast in einzelne Kategorien unterteilt, bietet die wichtigsten News der vergangenen Woche, Rezensionen aktueller Titel und einen Überblick über die künftigen Veröffentlichungen.

Neben dem ausgelassenen Humor zeichnet sich Beyond vor allem durch einen starken interaktiven Charakter aus. Via Twitter kommuniziert die Community ihre Fragen und Anliegen, welche anschließend im Cast thematisiert werden. Besonders hervorzuheben sind zudem die engen Beziehungen, die IGN zur Industrie pflegt. So werden Einblicke hinter die Kulissen von Studios und in die ökonomische Dynamik der Games-Branche ermöglicht. Selbst Sony-Chef Shuhei Yoshida bekennt sich als leidenschaftlicher Beyond-Hörer und war in der dreihundertsten Episode, die vor Live-Publikum aufgezeichnet wurde, mit auf dem Podium. Der Einfluss, den die IGN-Redaktion auf die Industrie ausübt, ist daher nicht zu unterschätzen.

Trotz der stark prospektiven Konsumorientierung beziehen die Podcast-TeilnehmerInnen immer wieder auch zu kulturellen Debatten Stellung. Als herausstechendes Merkmal ist zudem anzuführen, dass jede Episode mit einem Song endet, den die Hörenden einreichen können. Dabei handelt es sich um selbst geschriebene Stücke, die oftmals in Bezug zu Videospielen stehen. Der Beyond-Cast stellt somit jede Woche eine kleine Plattform für kulturellen Austausch in kreativer Form zur Verfügung.

Link zum Cast: http://www.ign.com/articles?tags=podcast

– Stefan Simond

Weekend confirmed ist ein amerikanischer Podcast, der von der erfolgreichen Gamingseite Shacknews.com (laut eigenen Angaben mit einer Reichweite > 1 Million/Monat) publiziert wird. Stand heute gibt es mehr als 190 Episoden des immer Freitags erscheinenden Podcasts.

Bei Weekend confirmed sticht vor allem die Produktionsqualität ins Auge, die den hochwertigsten Radiosendungen in nichts nachsteht. Außerdem wird zielgruppenorientiert Werbung zwischengeschaltet.

Die Moderatoren Garnett Lee und Jeff Cannata erörtern mit wechselnden Gästen aktuelle Neuerscheinungen, Nachrichten, Gerüchte und Kontroversen der Videospielwelt. Dabei fällt zunächst positiv auf, dass beide Moderatoren plattformübergreifend sehr gut informiert sind und keinen Unterschied machen, ob es sich nun um Heimkonsolen-, PC- oder Handheldgames handelt. Obwohl der Fokus nicht auf technischen Aspekten liegt, kommen diese nicht zu kurz und werden auch für Laien verständlich erklärt. Auf der negativen Seite sei erwähnt, dass vor allem Garnett Lee zu populistischen Äußerungen neigt und es manchmal so scheint, als wollten einige Gäste ‚Diskussionssiege‘ erzwingen, statt vernünftige Argumente vorzubringen. Diese Temperamenthaftigkeit vieler Teilnehmer beugt allerdings auch Langeweile in den oftmals ausgedehnten Podcasts vor.

Link zum Cast: http://www.shacknews.com/tag/weekend-confirmed

– Julian Zschocke

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Über Stefan Heinrich Simond

Stefan Heinrich Simond (shs) arbeitet am Institut für Medienwissenschaft der Philipps-Universität Marburg, bereitet eifrig seine Promotion vor und studiert nebenher im Master Philosophie. Er ist nicht nur Musiker und Autor, sondern verachtet auch leidenschaftlich Videospiele – jeden Sonntag im Pixeldiskurs-Podcast.

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